Nr. 14: Massive gesundheitliche Beeinträchtigungen und kein Ende abzusehen

Vor knapp einem Jahr haben unsere Nachbarn neben ihrem Haus eine Wärmepumpe aufgestellt. Das Gerät ist rund 2m von der Grundstücksgrenze und ungefähr 5m von unserem Schlafzimmer entfernt. Obwohl das Gerät mit nominellen 63dB(A) rund 4x so laut ist, wie es dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Aufstellung entspricht, sind die nachfolgenden Probleme nicht die Folge einer „Belästigung“ durch hörbaren Schall.

Zunächst maßen wir diesem Gerät auch keine große Bedeutung bei, doch nach ein paar Wochen des Betriebs traten sowohl bei meinem Mann, als auch kurze Zeit später bei mir, massive Schlafstörungen auf. Das begann zunächst mit erhöhter Tagesmüdigkeit und steigerte sich dann kontinuierlich. Schlafstörungen waren uns beiden bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen unbekannt gewesen.

Zudem zeigten die Schlafstörungen ein ungewöhnliches Muster: nach einer kurzen Schlafphase schreckten wir hoch und fühlten uns „panisch“ – oft verbunden mit Herzrasen. Ein Einschlafen war dann eigentlich nicht mehr möglich.

Dann merkten wir, dass wir beide weitere Symptome wie Muskelzucken in den Extremitäten, erhöhter Pulsschlag, Schweißausbrüche, Ohrenschmerzen, Sehstörungen, sowie Schwindel und andauernde leichte Übelkeit entwickelten. Schon nach wenigen Wochen nach Aufstellung der Wärmepumpe waren wir morgens so gerädert, dass wir unsere Berufe nur noch mit sehr eingeschränkter Leistungsfähigkeit ausüben konnten, mein Mann wurde zeitweilig mit dem Befund „Erschöpfung durch Schlafentzug“ krankgeschrieben.

Wie wir später erfuhren, ist dieses Muster eine häufig beobachtete Reaktion des Körpers auf eine Belastung mit niederfrequentem Schall unterhalb der Hörschwelle. Dem örtlichen Umweltamt waren unsere Symptome erstaunlicherweise sogar bestens durch ähnliche Fälle bekannt – es fehle nicht an der Technik oder Kompetenz, jedoch an den Vorschriften um uns helfen zu können!

Nach vielen vergeblichen Versuchen, in irgendeinem Zimmer unseres Hauses normal schlafen zu können, waren wir so verzweifelt, dass wir uns eine Ersatzwohnung anmieteten, nur um einigermaßen wieder schlafen zu können.

Als wir dann anfingen uns zu informieren, erfuhren wir, dass all unsere Symptome eindeutig auf die Wärmepumpe auf dem Nachbargrundstück zurückgeführt werden können: Sowohl unserem Internisten als auch dem HNO waren diese Symptome sehr wohl in Verbindung mit niederfrequentem Schall vertraut. Sie seien relativ selten, aber vollkommen plausibel herleitbar - und vor allem interessant - sie seien durch eine Zunahme der Verursacher, wie Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke, WKAs, zunehmend häufiger zu beobachten.

Alle Versuche, mit den Nachbarn gemeinsam eine Lösung des Problems zu erarbeiten, führten jedoch bislang zu nichts. Die Anlage sei teuer gewesen – und müsse daher auch perfekt sein. Das hätte ihnen der Hersteller bestätigt.

Messungen, die wir schließlich selbst bei einem qualifizierten Gutachter in Auftrag gaben, zeigten dann aber eindeutig, dass in jedem Raum unseres Hauses eine sehr deutliche und vollkommen ortsuntypische Belastung mit niederfrequentem Schall nachweisbar ist (die Messwerte passen eher zu einer Region mit Schwerindustrie als in ein ansonsten ruhiges Wohngebiet). Zudem erfuhren wir, dass Fälle wie unserer keineswegs selten sind - wobei vor allem die drastische Zunahme der Fälle seit der häufigeren Aufstellung von Luftwärmepumpen auch den Experten erstaunt hatte. Quasi wörtlich meinte er, man komme seitdem mit der Arbeit nicht mehr hinterher.

Wenn man über Luft-Wärmepumpen eines mit Bestimmtheit sagen kann, dann wohl, dass sie Ärzte und Akustiker mit reichlich Arbeit versorgen.

Wir leben mittlerweile seit geraumer Zeit mehr schlecht als recht mit dem Problem. Nach wie vor haben wir große gesundheitliche Probleme, die stets mit Einsetzen der Heizperiode (da läuft das Gerät dann 24h/Tag) stark zunehmen – um dann im Frühling und Sommer (bei geringerem Warmwasserbedarf und damit kürzerer Tagesbetriebsdauer) wieder abzunehmen.

Auf der Terrasse frühstücken? Mit offenem Fenster schlafen? Mal überhaupt eine Nacht durchschlafen? Eine Woche ohne Betablocker einzunehmen, um die Tachykardie in den Griff zu bekommen? Alles Fehlanzeige, dank einer einzigen Wärmepumpe, die laut eines dazu befragten Gutachters für Heizungstechnik zudem energietechnischer Schwachsinn ist (Dimensionierung, Wirkungsgrad, Anbindung an das bestehende Heizsystem, Energieverbrauch des Haustyps).

Unterm Strich bedeutet die vermeintlich billige LWP-Heizung unserer Nachbarn, dass wir unser Haus nicht mehr normal nutzen können, wir erhebliche Kosten für eine Zusatzwohnung, für Medikamente, Gutachter und Rechtsanwalt zu tragen haben, von den gesundheitlichen Auswirkungen ganz zu schweigen. Allein unsere Gehaltsabzüge für unbezahlten Urlaub um Termine mit Gutachtern, Akustikern und Anwälten wahrnehmen zu können, beliefen sich im ersten Jahr nach Aufstellung der Anlage auf über 2000 Euro.

Seit Aufstellung der Wärmepumpe mussten wir unsere sozialen Aktivitäten stark reduzieren um so Geld für weitere Gutachten zu sparen, berufliche Veränderungen und Weiterbildungen wurden aufgeschoben, obwohl diese dringend notwendig wären. Zudem sind wir unfreiwillig zu Experten in Sachen Infraschall geworden, weil wir fast jede Minute unserer Freizeit an einer Lösung dieses Problems arbeiten "dürfen".

Das tun wir bei weitem nicht freiwillig, sondern weil die Auswirkungen auf unsere Gesundheit und die Einschränkungen unseres Lebens, die wir durch die Aufstellung dieser Wärmepumpe erfahren, uns dazu zwingen.

Dass diese Technologie auch noch staatlich gefördert wird, ohne dass vorher adäquate Vorschriften zu Dimensionierung, Aufstellung und Betrieb geschaffen wurden, grenzt ans Unglaubliche.

Seit Jahren verdichten sich die Hinweise, dass niederfrequente Geräuschanteile bei Lüftungsanlagen – auch unterhalb der Wahrnehmungsgrenze – schwerwiegende körperliche Folgen beim Menschen zur Folge haben. Hersteller von Lüftungsanlagen werben teilweise sogar mit technischen Innovationen, die diesem Problem begegnen sollen und trotzdem gibt es in Deutschland keinerlei Richtwerte für niederfrequente Schallemissionen, die den aktuellen Stand der Wissenschaft auch nur ansatzweise widerspiegeln.

Dieser Zustand ist absolut untragbar und entweder ein Indiz für Ignoranz und Inkompetenz oder für absichtliches Nichthandeln. In beiden Fällen kann man über die Gründe dafür nur spekulieren.

 

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